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WIE NACHHALTIG IST BIO?
Bio

Die ersten kleinen Bio-Läden waren mehr als Geschäfte, in denen man Brot und Milch, Äpfel mit schrumpliger Schale und Saison-Gemüse kaufte. Die ersten Bio-Läden waren Statements, ihre Kunden die Akteure einer gesellschaftlichen Bewegung.

Es ging weder um den besseren Geschmack noch um die Gesundheit, obwohl, ein bißchen ging es auch darum, aber in erster Linie ging es um eine andere Lebenskultur.

Die Öko-Bewegung führte eine lange Reihe von gesellschaftlichen Bewegungen fort. Immer verfolgten Menschen im Gegenstrom zur gesellschaftlichen Entwicklung das Ziel, im Einklang mit der Natur, mit dem gesamten Kosmos, zu leben.

Doch unterschieden sich die Bio-Aktivisten der siebziger und achtziger Jahre von den vorangegangenen Bewegungen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit war die Erde als Lebensgrundlage ernsthaft gefährdet. Sie drängten auf einen anderen Umgang mit der Natur, um ihre Vernichtung abzuwenden.

Ihre Forderung wurde wenige Jahre später als so dringend und berechtigt empfunden, dass sie Bestandteil des politischen Programms aller Parteien in Deutschland wurde.

Heute ist jeder Supermarkt gezwungen, Bio-Produkte anzubieten, wenn er nicht einen Teil seiner Kunden verlieren will. Bio-Supermärkte und – Discounter schießen wie Pilze aus dem Betonboden der Großstädte. Schon gibt es hier und dort Versorgungsengpässe. Die Nachfrage nach Bio-Produkten ist enorm, erst Recht, seit sich die Verbraucher vor genmanipulierter Nahrung schützen wollen.

Die Bio-Bewegung hat es also geschafft. Sie hat die Gesellschaft revolutioniert. Wirklich?

Geht man heute durch einen der vielen schicken Bio-Supermärkte, muss man sich die Frage stellen, wie ökologisch Bio eigentlich noch ist?
Da liegen polierte Äpfel aus Argentinien neben Birnen aus Südafrika. In einigen Märkten wird das Obst sogar in Folie geschweißt.

In Frischehaltefolien stapeln sich Pizzaböden, Croissants und Körnerbrötchen zum Fertigbacken.

Und die neueste Überraschung: In Bio-Überraschungseiern steckt dasselbe gelbe Plastik-Döschen mit dem gleichen Plastik-Spielzeug! Ein Wegwerfartikel, wie er deutlicher die Mentalität der überholten Konsumgesellschaft nicht symbolisieren könnte.

Man fragt sich, worum es den Menschen geht, die hier einkaufen? Um die Rettung der Natur? Um eine neue Kultur des Umgangs miteinander? Weit und breit keine Spur davon. Mit aufwändig produzierten Werbeflyern und Plastikchips werden Kunden geworben und bei der Stange gehalten. Die Bioszene unterscheidet sich in ihrem Geschäftsgebaren nicht mehr von den aggressiven Wachstumspropheten der großen Konzerne.

Am Samstagmorgen schieben die Biokäufer ihren Wagen so mißmutig durch die Gänge wie die Leute im Supermarkt nebenan. Sie sind sogar noch eine Spur rücksichtsloser und arroganter, besser verdienend, ausgepowert von Job und Fitnessstudio, frustriert. Man hat den Eindruck, sie betrachten die ganze Welt als eine Art Dienstleistungsunternehmen, das nun, an ihrem wohlverdienten Wochenende, livriert und geschniegelt für sie bereitzustehen hat.

Sie kaufen Bio, um ihre eigene Gesundheit und die ihrer Kinder zu retten. Sie wollen sich vor Gen – und Fastfood schützen und glauben, dass Bio besser schmeckt.

Zeit für neue Ideen: Wie wäre es mit einem kleinen Laden an der Ecke, der Produkte anbietet, die nicht nur aus biologischen Anbau sind, sondern auch ökologisch produziert und transportiert!

Die alkoholfreien Bio – Weine und – Mousseux sind dann gern dabei. Sie verdienen nicht nur das Bio – sondern auch ein Öko-Siegel. Letzteres müsste allerdings erst erfunden werden.
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